Home » News » „Net Mundial“ und die Zukunft des Internets

„Net Mundial“ und die Zukunft des Internets

Bild: netmundial.br
Bild: netmundial.br

„Es muss sich etwas ändern“. So oder ähnlich sah der allgemeine Tonus vor der „Net Mundial“, der bisher größten Konferenz rund um das Thema „Die Zukunft des Internets“, aus. Angetreten waren im brasilianischen Sao Paulo unter anderem Datenschützer, Analysten, Webhoster, Serviceprovider, Mobilfunkanbieter und Regierungsvertreter beinahe aller Länder. Hat sich die Ansicht der Teilnehmer nach der Konferenz geändert? Nein, aber man ist sich bisher noch uneinig, wie man die im Abschlussdokument beschlossenen Richtlinien durchsetzen soll.

Die Privatsphäre muss geschützt werden

Anberaumt wurde die Sitzung hauptsächlich aufgrund des vom amerikanischen Whistleblower Edward Snowden enthüllten Abhörskandals der NSA, der weltweit Datenschützer auf den Plan rufte, die höheren Datenschutz und mehr Anonymität im Internet verlangten. Bis auf wenige Staaten, unter anderem China, Kuba, Russland und Saudi-Arabien, war man sich zumindest in diesem Punkt einig. Deswegen wurde im „Grundgesetz der Internetaufsicht“ auch ganz klar vermerkt, dass Serviceprovider und Webhoster keine Datensammlungen über ihre Kunden anlegen, geschweige denn weitergeben dürfen. Auch die Gerichte sollen in Zukunft viel stärker prüfen, ob die Anfrage nach der IP von Internetnutzern gerechtfertigt sei. Dies soll übrigens nicht nur für Anbieter sondern auch für den Staat gelten, denn die sogenannte „Online-Durchsuchung“, die viele Länder betreiben, wäre dann ebenfalls nicht mehr gestattet. Selbstverständlich handelt es sich dabei bisher nur um theoretische Richtlinien, eine Absichtserklärung der unterzeichnenden Staaten. Ungeklärt ist ob und wie man Verstöße ahnden möchte oder wie sich die Maßnahmen in einzelnen Ländern umsetzen lassen, die nur über eine schwache Infrastruktur verfügen.

Stellengesuch: ICANN

Seit 1998 kümmert sich die bisher unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Handelsministeriums agierende Non-Profit-Gesellschaft „ICANN“ um die Vergabe und Verwaltung der sogenannten „Top-Level-Domains“, also Domainendungen wie .de, .com oder .org. Damit soll bald allerdings Schluss sein, denn die amerikanische Regierung möchte die Schirmherrschaft und die komplette Gesellschaft nach Abschluss der jüngst eingeführten neuen Domainendungen abgeben. Bisher scheint kein großes Interesse daran zu bestehen, die ICANN zu übernehmen. Zumindest haben auf der „Net Mundial“ nur wenige Länder bekundet, das wichtige Aufsichtsorgan übernehmen zu wollen. Unklar ist allerdings auch, welcher Behörde man zukünftig die Schirmherrschaft überträgt, denn bisher musste sich die ICANN mit allen wichtigen Fragen an das Handelsministerium wenden, konnte kaum selbst agieren und war in ihren Entscheidungen beschnitten. Sollte es wirklich zu einer Auflösung kommen, müsste man also eine Lösung finden, die der ICANN mehr Freiheiten einräumt, damit diese in Zukunft alle wichtigen Entscheidungen national ungebunden fällen kann.


Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.